Von UNTRÖSTLICH zu mehr Herzverbindung

Vorher - das erleben Eltern oft

  1. Ein Baby, das viel schreit, kaum schläft und sich nur schwer beruhigen lässt.

  2. Angst vor dem nächsten Weinen und vor den eigenen starken Gefühlen.

  3. Unsicherheit und Hilflosigkeit, weil die Bindungs-sprache des Babys nicht verstanden wird.

  4. Erschöpfung im Alltag, die manchmal in Wut oder Rückzug mündet.

  5. Schwierigkeiten, Bindung zu spüren, was Verzweiflung und Selbstzweifel auslöst.

  6. Die Sorge als Eltern zu versagen und sich als Paar aus den Augen zu verlieren.

Nachher - so kann es sich anfühlen

  1. Ein Baby, das in seiner Not gehört, gesehen und angenommen wird.

  2. Eltern, die ihre Angst vor dem Schreien loslassen und ihr Baby emotional sicher begleiten.

  3. Eltern, die sich kompetent fühlen und die Sprache ihres Babys verstehen.

  4. Eltern, die erfahren haben, dass starke Gefühle dazugehören und dass sie sich wandeln lassen.

  5. Eltern, die Nähe und Geborgenheit wieder als heilsam erleben.

  6. Eltern, die sich selbst wiederfinden und ihr Baby neu kennen und lieben lernen.

Wichtig zu wissen . . .

Obwohl nur in ganz seltenen Fällen eine medizinische Ursache dem Schreien zugrunde liegt, ist es bei einem ausgeprägt schreienden Baby ratsam, zunächst  ärztlichen Rat einzuholen um auszuschließen, dass Ihr Baby Schmerzen hat oder krank ist.

Gut zu wissen . . .

Babys, die sehr viel schreien, werden umgangssprachlich oft als „Schreibabys“ oder „High-Need-Babys“ bezeichnet. Diese Begriffe sind keine medizinischen Diagnosen, sondern beschreiben ein besonders herausforderndes Verhalten eines Babys in den ersten Lebensmonaten. Ich verwende diese Begriffe hier ausschließlich, um die Auffindbarkeit dieser Seite zu erleichtern. Ebenso werden oft sog. 3-Monats-Koliken als Ursache für heftige Schreianfälle eines Babys vermutet.

Ein Baby, das sich in einem Zustand hoher Erregung befindet, kann viele Beruhigungsangebote nicht mehr als solche wahrnehmen. Sein Nervensystem ist überlastet, und frühere Stress- und Überforderungserfahrungen können die Selbstregulation zusätzlich erschweren.

Gleichzeitig zeigt die Entwicklungsforschung, dass das vegetative Nervensystem von Menschen – unabhängig vom Alter – auf äußere Reize und innere Impulse grundsätzlich ähnlich reagiert. Durch fein abgestimmtes Handling, als angenehm empfundene Berührung und einfühlsame Zuwendung können neue Erfahrungen von Sicherheit und Nähe ermöglicht werden.

Auf diese Weise kann das Nervensystem nach und nach wieder lernen, wie sich Regulation, Ruhe und Entspannung anfühlen. Dies schafft die Grundlage dafür, dass sich Erregung allmählich lösen kann und das Zusammensein wieder als verbindend und nährend erlebt wird.

Noch mehr wissen . . .

Wenn ein Baby weint, versuchen Eltern ganz intuitiv, ihr Kind durch Stillen oder das Geben der Flasche, Umhertragen, Singen, Wippen oder Wiegen möglichst rasch zu beruhigen.

In Situationen, in denen diese Beruhigungsversuche nicht greifen und die Erregung des Babys weiter zunimmt, kann das Weinen in intensives Schreien übergehen. Viele Eltern fühlen sich in solchen Momenten verunsichert und machen sich Sorgen um ihr Kind.

Machen Eltern wiederholt die Erfahrung, ihr weinendes Baby nicht beruhigen zu können, fühlen sie sich oft verzweifelt und hilflos. Dies kann zu einem belastenden Kreislauf aus Anspannung, Erschöpfung und Verunsicherung führen.

Untröstliches Babyweinen kann viele unterschiedliche Ursachen und Einflussfaktoren haben. So können Babys beispielsweise sensibel auf zu wenig oder auch auf zu viele Reize reagieren. Ihr Nervensystem ist in den ersten Lebensmonaten noch unreif, weshalb sie Reize nur eingeschränkt selbst regulieren können. Sie sind daher auf ein bindungssicheres Umfeld und den beruhigenden Kontakt einer vertrauten Bezugsperson angewiesen.

Auch belastende Erfahrungen – etwa während der Schwangerschaft, der Geburt oder durch frühe Trennungen – können das kindliche Stresserleben beeinflussen. Dies geschieht nicht bewusst und bedeutet keine Schuld der Eltern, sondern ist Ausdruck der besonderen Sensibilität des kindlichen Nervensystems.

Wenn ein Baby weint, zeigt es seine innere Anspannung. Es ist ganz natürlich, dass Eltern sich dadurch alarmiert fühlen. Wie gut es gelingt, innerlich ruhig zu bleiben, hängt unter anderem davon ab, wie das Weinen eingeordnet und verstanden wird.

Grundsätzlich ist Weinen ein natürlicher Regulationsprozess, mit dem Babys Spannungen abbauen. Wird ein Baby jedoch über längere Zeit immer wieder stark erregt, kann es zu einer Überlastung des vegetativen Nervensystems kommen. In solchen Momenten wirken gewohnte Beruhigungsstrategien oft nur noch eingeschränkt.

Die Emotionelle Erste Hilfe unterstützt Eltern dabei, Wege zu finden, um sich selbst und ihr Baby aus einem kräftezehrenden Kreislauf von Angst, Anspannung und Stress heraus zu begleiten. Sie kann dazu beitragen, ein neues Verständnis für das kindliche Weinen zu entwickeln und einen natürlichen, feinfühligen Umgang mit Emotionen zu fördern.

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